Das vergangene Geschäftsjahr 2025 war zweifellos eines der intensivsten Jahre in der mittlerweile schon weit über 50jährigen Geschichte der Stiftung arboa (vormals Verein Chinderhus Biel-Bienne). Sowohl von ausserhalb der Stiftung wie auch aus ihrem Inneren wurden der Stiftungsrat und die Geschäftsstelle mit Herausforderungen konfrontiert, die es mit Umsicht, aber auch zielgerichtet und wirksam zu bewältigen galt, wobei unser Kernauftrag – die kindgerechte und entwicklungsfördernde Betreuung von knapp 30 Pflegekindern – niemals aus den Augen verloren werden durfte.
Noch am ruhigsten bewegte sich die Einrichtung Dählenhof Safnern durch das Jahr 2025. Die Bauphase war abgeschlossen, die Leiterpaarfamilie hatte ihre neu eingerichtete Familienwohnung im Ostteil des Hauses beziehen können und fand mehr und mehr einen guten Weg, die neue Form des Zusammenlebens mit der Betreuungseinrichtung zu nutzen ohne die Nähe zu den platzierten Kindern, die alle bereits seit mehreren Jahren im Dählenhof zu Hause sind und dies auch noch länger bleiben werden, in zu grossem Mass aufzugeben. Diese Gratwanderung ist nicht immer ganz einfach, Erholungszeiten werden nicht selten in Frage gestellt und so war es hilfreich, bis Ende 2025 auf ein eingespieltes Team der Mitarbeitenden abstellen zu können. Inzwischen sind alle Pflegekinder im Schul- bzw. Kindergartenalter und orientieren sich so mehr und mehr auch nach Aussen. In zwei tollen Ferienlagerwochen im Bündnerland bzw. in Südfrankreich konnte aber auch das Gemeinschaftsleben gefördert werden. Eine wichtige Rolle kommt für den Dählenhof den Kontaktfamilien zu, in denen die Pflegekinder vierzehntäglich und während einiger Ferienwochen eine andere Form des Familienlebens kennenlernen und miterleben können und die der Leiterpaarfamilie so auch die Möglichkeit geben, ihr eigenes (Klein-) Familienleben zu gestalten.
Dass 2025 in der Einrichtung Birkenhof Aarberg ein besonderes sein würde, war bereits zu Beginn des Jahres allen klar: Es handelte sich um das letzte vollständige Jahr, welches das Leiterpaar Barbara und Martin Vonäsch nach bald 18 Jahren zusammen mit der Generation der langjährig betreuten Pflegekinder, die zum grössten Teil seit ihren ersten Lebenswochen im Birkenhof zu Hause sind, gemeinsam in Aarberg verbringen würden. Bereits im Sommer 2025 traten zwei Jugendliche oder junge Erwachsene aus dem Birkenhof aus, für die meisten anderen war ein Austritt bis Sommer 2026 absehbar. Das Ziel des Leiterpaars und der Stiftung war es demnach, den betreuten Jugendlichen eine gute Abschlussphase der Platzierung und ein möglichst optimaler Übergang in die Selbständigkeit oder eine neue Form der Betreuung zu ermöglichen, so dass das grosse Haus unmittelbar vor den Toren des Städtchens Aarberg im Sommer 2026 in neue Hände weitergegeben werden könnte.
Zusätzlich zu dieser bereits herausfordernden Aufgabe hatten sich die Einrichtung Birkenhof und die Stiftung aber auch noch mit den Folgen einer Meldung früherer Mitarbeitender bei der Aufsichtsbehörde, dem KJA Bern, auseinanderzusetzen. Dies geschah hauptsächlich durch das Einsetzen einer ausgewiesenen Fachperson für Prävention, Frau Susanne Altoè, welche das Leiterpaar, das Team und die Jugendlichen in den Themen, die Gegenstand der Meldung gewesen waren, begleiten und beraten konnte und dies mit einer grossartigen Umsicht und Fachkompetenz tat, so dass alle Beteiligten davon profitieren konnten. Auf diese Weise gelang es dem Leiterpaar Vonäsch und der ganzen Birkenhofgemeinschaft, sich den zusätzlichen Herausforderungen zu stellen und diese zum Wohl der platzierten Jugendlichen bestmöglich zu bewältigen.
Per Ende 2025 konnte festgestellt werden, dass für alle Jugendlichen ein sorgfältig geplanter Weg in die Zeit nach der Platzierung im Birkenhof aufgegleist werden konnte und dass auch dem Alltagsgeschehen und dem Gemeinschaftsleben die gebührende Beachtung geschenkt werden konnte. So genossen alle Birkenhofbewohnerinnen und -bewohner und sogar einige Ehemalige im Herbst ein grossartige Woche am Meer in Südfrankreich und später ein berührendes letztes Weihnachtsfest im langjährig tradtitionellen Rahmen.
Auch in der Ferme du Soleil in Biel-Bözingen war das Jahr einerseits von der Zukunftsplanung und andererseits von der Bewältigung von Herausforderungen, die von Aussen an die Einrichtung herangetragen wurden, geprägt: Bereits 2024 war das Leiterpaar Marie-Laure und Cyril Bogdanovic an den Stiftungsrat mit dem Anliegen herangetreten, per Anfangs 2026 mit ihren drei leiblichen Kindern eine Wohnsituation ausserhalb der Einrichtung beziehen zu wollen. Diese frühzeitige Meldung ermöglichte es der Stiftung und dem Leiterpaar, den Übergang sorgfältig zu planen und alle möglichen Auswirkungen dieses Schritts gründlich zu bedenken. So fanden im Laufe des Jahres 2025 zahlreiche Gespräche statt, zu denen punktuell auch Herr Markus Zehnder, andantis Personalmanagement, beigezogen wurde.
Dazu kam, dass auch in Zusammenhang mit der Ferme du Soleil ehemalige Mitarbeitende mit kritischen Fragen auf die Stiftung arboa zukamen, welche sorgfältig geprüft werden mussten und welchen mit geeigneten Massnahmen begegnet wurde. So wurde der Firma Intermède Neuchâtel der Auftrag zur Prüfung der Teamzusammenarbeit in der FdS und vor allem zur Vorbereitung eines Mediations- und Teamentwicklungsprojekts in Auftrag gegeben, welches im Laufe des Jahres 2026 zum Tragen kommen wird.
Auch für die Ferme du Soleil ist es aber selbstverständlich, dass während dem ganzen Jahr die Begleitung der bis zu 13 platzierten Pflegekinder (im Sommer 2025 konnte kurzfristig ein 13. Platz bewilligt werden, damit eine neugeborene kleinere Schwester von zwei bereits in der FdS platzierten Kindern aufgenommen werden konnte) deren Wohl und bestmögliche Entwicklung im Vordergrund der Tätigkeit der Einrichtung und all ihrer Mitarbeitenden stand. Dass von diesen Kindern die Hälfte noch weder zur Schule noch in den Kindergarten gingen, bedeutete für das Team eine grosse Herausforderung, der die Stiftung mit dem Einsatz von zusätzlichen Betreuungspersonen begegnete. So gelang es, einen vielfältigen, lebendigen Alltag zu gestalten und auch den einzelnen Kindern in ihren individuellen Entwicklungsbedürfnissen so gut wie möglich entgegen zu kommen. Auch für die FdS waren die Ferienlagerzeiten – zwei Wochen am Meer mit allen und eine Woche im Skilager mit den grösseren Kindern und Jugendlichen – zweifellos die Höhepunkte des vergangenen Jahres. Aber auch ums Haus herum mit seinen zahlreichen Tieren und unzähligen Aktivitätsmöglichkeiten entstanden Momente, die den platzierten Kindern zweifellos in guter Erinnerung bleiben werden.
Das Auszugsbegehren des Leiterpaars aus der Ferme du Soleil sowie der Inhalt der obenstehend erwähnten Meldungen zeigten dem Stiftungsrat und der Geschäftstelle mit zunehmender Klarheit auf, dass die langjährige und liebgewonnene Betreuungsform in der Stiftung arboa, das heisst die Betreuung durch ein im Haus wohnhaften Leiterpaar, das seine eigene Familie durch die Aufnahme von zahlreichen Pflegekindern erweitert, über kurz oder lang abgelöst werden muss. Der Anspruch, den Pflegekindern das Aufwachsen in einem Setting zu ermöglichen, das so nahe wie es geht an dasjenige einer grossen Familie herankommt, und die veränderten Erwartungen der Aufsichtsbehörde und der ausgebildeten Sozialpädagoginnen und -pädagogen im Mitarbeitendenteam lassen sich kaum noch unter einen Hut bringen. So hat der Stiftungsrat – nicht ohne Bedauern – entschieden, im Birkenhof Aarberg nach dem Abgang von Barbara und Martin Vonäsch per Sommer 2026 nicht mehr eine neue Grossfamilie sondern eine Betreuungseinrichtung mit zwei kleineren Wohngruppen unterzubringen. Die Planung dieser Nachfolgeeinrichtung mit überarbeitetem Konzept konnte im Jahr 2025 soweit vorangetrieben werden, dass kurz vor Jahresende ein neuer Standortleiter, Herr Stefan Spahr, verpflichtet werden konnte. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Umsetzungsschritte im Hinblick auf die Wiedereröffnung im Sommer 2026 sorgfältig und mit der nötigen Zeit angegangen werden können.
Ein weiterer Bereich, in dem im Laufe des Jahres 2025 vor allem Planungsschritte angegangen wurden, betrifft die Weiterbetreuung von zwei jungen Frauen aus der Einrichtung Birkenhof. Wie oben erwähnt, konnten für die Betreuten dieser Einrichtung für die Zeit ab Sommer 2026 Anschlusslösungen gefunden werden. Für die beiden jungen Frauen, die seit ihren ersten Lebenswochen im Birkenhof zu Hause sind und sich aktuell noch in den letzten Schuljahren bzw. in der Berufslehre befinden, besteht dieser Weg darin, dass eine Wohnlösung unter der Leitung von Barbara Vonäsch geschaffen werden konnte. Dafür konnte beim Jugendamt des Kantons Bern die Betriebsbewilligung für ein betreutes Wohnen beantragt werden, welches aus einer unabhängigen Wohnung der beiden jungen Frauen besteht, die sich im gleichen Haus befindet, in dem auch das Ehepaar Vonäsch ihre neue Bleibe gefunden hat. Wir sind überzeugt, auf diese Weise auch diesen beiden jungen Menschen einen optimal Abschluss der Ausbildungszeit und später einen guten Übergang in die selbständige Lebensphase zu ermöglichen.
Das Thema Care Leaver ist in den letzten Jahren vielen Beteiligten erst richtig bewusst geworden. Die Stiftung arboa hat diese wichtige Phase schon seit längerem im Fokus, so werden auch weiteren der langjährig Betreuten während einmer gewissen Zeit Nachbetreuungsmassnahmen angeboten.
Im Übrigen ist der Stiftungsrat der Stiftung arboa im Laufe des Jahres 2025 zu 7 Sitzungen und zahlreichen Arbeitsgruppensitzungen zusammengekommen, in deren Rahmen zu folgenden weiteren Themen Diskussionen geführt und Beschlüsse getroffen worden sind: (Themen erwähnen? Wenn ja: welche der folgenden? Budget und Rechnung der einzelnen Einrichtungen und der Gesamtstiftung, Start zu einem Projekt zur Überprüfung der Organisations- und Führungsstruktur in der Stiftung arboa, Start zu einem Projekt zur Überarbeitung des Personalreglements, Start zu einem Projekt zur Überarbeitung des Präventions- und Meldewesens in den einzelnen Einrichtungen, Anpassung des Honorars Stiftungspräsidenten an den effektiv geleisteten Aufwand, vorübergehende Erhöhung des Pensums des Geschäftsführers zur Bewältigung der zahlreichen laufenden Projekte. Zahlreiche dieser Themen werden den Stiftungsrat im Folgejahr weiter intensiv beschäftigen.
Auch in der Zusammensetzung des Stiftungsrats ist es im Jahr 2025 zu Veränderungen gekommen. Die beiden langjährigen Mitglieder Bruno Bianchet (im April) und Gertrud Dardel (im Dezember) sind unter Verdankung ihrer wertvollen Dienste zu Gunsten der Stiftung arboa bzw. des Vorgängervereins aus dem Stiftungtsrat ausgeschieden. Bis Ende des Kalenderjahres konnten zwar Nachfolgelösungen aufgegleist aber noch gerade nicht realisiert werden.
Der Präsident dankt allen Beteiligten, die in ihren verschiedenen Positionen dazu beigetragen haben, dass auch im Jahr 2025 zu jedem Zeitpunkt eine hochstehende Betreuungsqualität sichergestellt werden konnte. Dazu gehören die drei Leiterpaare, die nach wie vor einen weit überdurchschnittlichen Einsatz zu Gunsten der ihnen anvertrauten Kinder leisten, die zahlreichen loyalen und sehr engagierten Mitarbeitenden in allen drei Teams, die involvierten externen Fachpersonen, der Geschäftsführer und die Mitglieder des Stiftungsrats, denen im Berichtsjahr speziell viel zeitliche und gedankliche Beanspruchung zugmutet werden musste. Als Präsident bin ich aber zutiefst von der Stabilität und Gestaltungskraft unserer Stiftung überzeugt. Auch das Jahr 2026 wird wieder zahlreiche Herausforderungen für uns bereit haben. Wir brauchen uns aber nicht davor zu scheuen, diese zuversichtlich anzupacken und dabei vor allem anderen weiterhin das Wohl der uns anvertrauten Pflegekinder zu unterstützen und zu mehren.
Biel, im Juni 2026
Pierre-Yves Moeschler, Präsident
